HDR Fotografie – Die wichtigsten Tipps zu Technik, Motiven & Software

Die HDR Technologie sorgt für brillante Farben und ist daher nicht nur in der Fotografie, sondern auch bei Monitoren, Fernsehgeräten und Handys beliebt. In diesem Artikel konzentrieren wir uns aber nur auf den fotografischen Bereich und schauen uns an, was HDR für deine Fotos bedeutet und wie du die Technik am besten nutzen solltest.

Was ist HDR?

HDR ist die Abkürzung für High Dynamic Range. Ein mit dieser Technik erstelltes Bild besitzt also einen hohen Dynamikumfang. Anders ausgedrückt: es ist ein Hochkontrastbild mit großen Helligkeitsunterschieden. Demgegenüber bezeichnet man die „normalen“ oder klassischen Bilder als Low Dynamic Range Bilder.

Diese Bilder kann man mit Spezialkameras oder normalen, aber sehr guten Kameras erzeugen. Dabei macht man gleich ganze Belichtungsreihen, allerdings im Low Dynamic Range, die sich dann entsprechend nachbereiten lassen. Die hervorragenden Farben kommen leider auf normalen Wiedergabegeräten kaum zur Geltung beziehungsweise lassen sich dort kaum darstellen. Nur mit einem reduzierten Helligkeitskontrast.

Der Fachbegriff für diese Dynamikkompression lautet „Tone Mapping“. Vielleicht besitzt du bereits ein HDR-TV-Gerät. Dort bekommst du mithilfe dieser Technik ein plastisches und kontrastreiches Bild. Aber nur, wenn alle Komponenten zusammenpassen. Denn nicht nur dein Monitor, sondern auch der sogenannte Übertragungsweg, also Datenträger, Kabel, Player etc. müssen dafür ausgelegt sein. Sonst bekommst du das qualitativ hochwertige Wunschbild nicht auf dem Bildschirm angezeigt.

Was ist HDR Fotografie?

Das Problem bei deiner Kamera ist, dass normale Kamerasensoren nur für einen bestimmten Kontrastumfang ausgelegt sind. Ist er höher, können sie ihn gar nicht wiedergeben. Dabei gehen dir gute Details verloren – und genau das versucht die HDR-Technik auszugleichen! In der Fotografie kannst du mit den HDR-Aufnahmen einen hohen Kontrast- und Dynamikumfang aus den Bildern herausholen. In der Praxis heißt das, dass du mehr Details, also Licht und Tiefen, erhältst als ohne HDR.

Der Kontrast-Vorteil

Der HDR-Vorteil zeigt sich besonders im Vergleich zum menschlichen Auge. Unser Auge nimmt nämlich helle und dunkle Bereiche viel besser wahr, als die Kamerasensoren einer Durchschnittskamera. Um diese Leistung mit Zahlen zu unterfüttern, kannst du dir vorstellen, dass unser Auge ungefähr 14 LW-Stufen (Lichtwerte/Blendstufen) voneinander unterscheiden kann. Ein Analogfilm kommt nur auf 8 LW und eine Digitalkamera auf 12 LW. Wenn das Bild ausgedruckt ist, dann schafft das Fotopapier gerade noch den Unterschied von 6 LW-Stufen.

Wenn du also in einer atemberaubend schönen Landschaft stehst, kannst du sehr viel mehr Details, Farben und Unterschiede wahrnehmen (sogar noch aus dem Augenwinkel) als deine Kamera. Du schaffst es daher nicht, ein möglichst realitätsnahes Abbild der Landschaft einzufangen. Die HDR-Kamera gleicht nun genau diesen Faktor für dich aus und verhilft dir zu einem optimierten Dynamikumfang, bei dem auch geringe Helligkeitsunterschiede erfasst sind.

Wie läuft die HDR-Fotografie ab?

Die Kamera nimmt dafür eine ganze Reihe von Bildern auf, und zwar in schneller Abfolge und mit unterschiedlicher Belichtung: hell, dunkel, mit Unterbelichtung und Überbelichtung, normal belichtet und so weiter. Dabei verwendet die Kamera normalerweise + 2LW, um die Tiefen besser herauszuarbeiten und -2LW, um die hellen Stellen besser zu erfassen. Somit hast du bei 3 Bildern, die über-/normal- und unterbelichtet sind, je 2 Blendenstufen Unterschied (also -2LW/0+2LW).

Anschließend kannst du die Einzelaufnahmen zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Ob die Kamera dies automatisch berechnet oder du es manuell aussteuern musst, hängt von der Kamera ab. Diese Fotos kannst du auch mit einer gängigen Software wie Lightroom oder Photomatix Pro ineinanderrechnen und dadurch zu einem Bild vereinen. Durch das Zusammenfügen und Optimieren der Bilder, ist das Ergebnis besonders ausdrucksstark und das Ergebnis wirkt manchmal sogar etwas surreal. Dadurch kannst du sogar richtig gute künstlerische und hyperrealistische Bilder erzielen.

Weil normale Monitore oder Bildschirme das Foto nicht in seiner ganzen Pracht darstellen können, musst du anschließend das HDR-Format zurückrechnen in ein LDR-Format. Dieses Herunterrechnen bezeichnet man auch als Tonemapping.

Wann ist es vorteilhaft, HDR-Aufnahmen zu machen?

Es gibt ein paar Bereiche oder Motive, bei denen es sich auszahlt, sie mit HDR zu schießen:

  • Landschaftsaufnahmen sind prädestiniert für HDR-Aufnahmen, denn hier hast du die größten Kontrastunterschied zu überwinden, nicht nur zwischen Himmel und Erde, sondern auch wegen Licht und Schatten – je nach Sonneneinstrahlung.
  • Dazu kommt, dass auch Portraitaufnahmen im Freien von HDR profitieren. Denn auch in diesem Fall kannst du eine viel bessere Ausleuchtung der Person erreichen und zu grelles Licht reduzieren.
  • Auch architektonische Aufnahmen kommen mit HDR sehr gut zur Geltung. Beispielsweise Schlösser oder Kirchen mit ihren vielen Details sind hervorragend geeignet.
  • Sogar Maschinen und Maschinenteile sind dankbare HDR-Motive. Das solltest du bei deiner Motivsuche berücksichtigen.

Bei der Architektur kommt übrigens noch ein weitere Bereich mit ins Spiel: die Immobilienfotografie. Hier musst du häufig Innenaufnahmen schießen, obwohl ungünstige Lichtverhältnisse herrschen. Ganz oft sehen die Endergebnisse dann unnatürlich und künstlich aus. Sie schaffen es damit nicht, einen Wohnraum ansprechend abzubilden und gleichzeitig vielleicht einen Teil des Gartens oder Balkons mit zu zeigen. Ein gutes Ergebnis bekommst du hier nur mit viel Erfahrung, gut gewählten Belichtungsstufen und manuellen statt automatischen Einstellungen.

Wann solltest du auf HDR-Aufnahmen verzichten?

Es gibt drei Problemsituationen, in denen du auf HDR verzichten solltest:

  1. Zum einen solltest du darauf achten, HDR nur dann einzusetzen, wenn du blasse Farben und „leblose“, triste Szenen verbessern möchtest. Solltest du aber draußen bei viel Licht eine farbenfrohe Szene, beispielsweise einen farbenprächtigen Blumengarten, fotografieren wollen, dann verzichte auf HDR. Denn in dem Fall bekommst du am Ende ein ausgeglichenes, eher trübes Einheitsbild.
  2. Ein weiteres Problem sind bewegte Aufnahmen von Personen oder Fahrzeugen, spielenden Tieren oder Hunden und so weiter. Denn deine Kamera schießt mehrere Aufnahmen rasch hintereinander und belichtet jede anders. Wenn dein Objekt sich währenddessen bewegt, dann macht sich das beim Zusammensetzen der Bilder bemerkbar. Was sich nebenbei bewegt hat, wirkt jetzt auf dem Foto verwaschen. Das kann schon in die Hose gehen, wenn bei einer Frau beispielsweise die Haare fliegen. Auch ein bewegtes Ährenfeld oder fallendes oder vom Wind verwirbeltes Laub erzeugen so ein ungünstiges Ergebnis. Temporeiche Aufnahmen vertragen sich also nicht gut mit HDR.
  3. Auch bei der Street Photography mit tollen Graffitiwänden und spannenden schattenreichen Bildern funktioniert HDR nicht gut. Denn diese Bereiche, die bei den „normalen“ Fotos ausdrucksstark in Szene zu setzen sind, lassen sich mit HDR weit weniger interessant darstellen. Sie geraten eher flach, plump und farblos.

Solltest du allerdings künstlerische oder surreale Fotos machen wollen, bei denen du genau diese Ergebnisse unbedingt erzielen möchtest, dann kannst du selbstverständlich den HDR-Modus nutzen. Die Wahl deiner Methoden hängt schließlich immer vom gewünschten Ziel ab! Dasselbe gilt auch für die Motivsuche.

Was kannst du für die HDR-Fotografie nutzen?

Grundsätzlich hast du die Wahl zwischen Kamera und Handy/Smartphone, wobei du mit einer Kamera natürlich viel mehr Möglichkeiten hast.

HDR Kameras – Die richtige Kamera für HDR Aufnahmen

Es gibt zwar Spezialkameras für HDR-Fotografie, aber du kannst bereits mit einer guten Digitalkamera und entsprechender Software hervorragende Ergebnisse erzielen. Wichtig ist, dass du eine Kamera benutzt, bei der du alle wichtigen Parameter auch manuell einstellen kannst. Also ISO, Fokus, Blende, Verschlusszeit, Weißabgleich, Fokus. Generell rät dir Olaf hier zu einer Spiegelreflexkamera, einer spiegellosen Systemkamera (auch Bridge-Kamera genannt) oder einer Kompaktkamera.

Das Geheimnis der HDR-Kamera ist, dass sie einen HDR-Modus besitzt, was bei vielen modernen Kameras der Fall ist. Sie kann bei jeder Aufnahme eine Reihe von rund 3 bis 5 Bildern schießen, die sowohl normal als auch über- und unterbelichtet sind. Aus dieser Bilderreihe berechnet die Kamera durch das Übereinanderlegen der Bilder die besten Bereiche und fügt sie zu einem aussagekräftigen und farbenprächtigen Bild zusammen.

Einige Kameras führen diesen Vorgang automatisch durch, bei anderen musst du ihn manuell vornehmen. Noch bessere Ergebnisse kannst du aber mit einer speziellen Software erzielen. Robert verlässt sich bei seiner Kamera auch nicht auf die interne Software, sondern greift lieber auf Lightroom, Gimp oder Photomatix Pro zurück. Denn wenn die Kamera das Bild automatisch zusammensetzt, hast du keinerlei Einfluss auf das Ergebnis. Mit einer Software hingegen kannst du jedes Bild entweder natürlich oder künstlich wirken lassen.

Zur Kamera kommen beim Equipment noch ein Stativ, Kabelfernauslöser (wahlweise Selbstauslöser) sowie eine Fernbedienung hinzu. Hinsichtlich der Software haben wir dir weiter unten im entsprechenden Abschnitt einige Tipps aufgelistet. Damit hättest du eigentlich alles beisammen, was du für gute HDR-Aufnahmen benötigst.

HDR Aufnahmen mit dem iPhone

Die HDR-Technik ist auch in Smartphones enthalten und funktioniert dort im Prinzip genau gleich wie bei einer normalen Kamera. Das iPhone nimmt mindestens drei Bilder gleichzeitig auf (normal, über- und unterbelichtet) und setzt anschließend mithilfe der integrierten Software ein Gesamtbild zusammen, das perfekt belichtet ist und eine aussagekräftige Farbtiefe von mindestens 10 Bit besitzt.

Dadurch bekommst du starke Kontraste und strahlende Farben. Besonders hilfreich ist diese Technik, wenn du draußen eine Landschaftsaufnahme machst, denn hier hast du häufig das Problem, dass dich die Sonne blendet und Teile deines Bildes daher über- oder unterbelichtet. Die HDR-Technik gleicht genau diesen Makel aus.

Bei Bewegungsaufnahmen funktioniert das allerdings nicht, denn durch das Schießen mehrerer Bilder direkt hintereinander bei beweglichen Objekten entstehen automatisch unscharfe Aufnahmen. Außerdem musst du dabei beachten, dass Kontraste durch diese Technik nur verwaschen auf dem Bild zur Geltung kommen. Falls du also kontrastreiche Aufnahmen beabsichtigst, musst du auf den HDR-Modus leider verzichten.

Grundsätzlich kann allerdings auch ein gutes iPhone nicht mit der Qualität einer Spezialkamera oder einer Digitalkamera mithalten. Wenn du es versuchen willst, hast du die Auswahl zwischen vielen guten Foto Apps, mit denen du dein iPhone zumindest bestmöglich für HDR-Fotos präparieren kannst.

Noch ein Wort zu den Einstellungen

Bei einer Kamera musst du darauf achten, die wichtigsten Punkte wie Schärfentiefe, Fokus oder Weißabgleich manuell einzustellen. Es ist wichtig, eine feste Blende während der mindestens drei Aufnahmen beizubehalten.

Eine entsprechend hilfreiche Funktion haben viele Spiegelreflexkameras, die mit einer Automatischen Belichtungsreihe oder „Auto Exposure Bracketing“ (ABE) ausgestattet sind. Dabei bleibt die Blende wie gewünscht gleich und du kannst 3,5,7 oder 9 Fotos nacheinander belichten. Sogar die Belichtung kannst du entweder automatisch messen lassen oder manuell einstellen. Auch die Schärfe und der Weißabgleich bleiben während der Fotoreihe genau gleich.

Wichtig ist, dass du die Bilder im RAW-Format schießt, weil sie dir später die beste Möglichkeit zur Nachbearbeitung geben.

HDR Software zur Bildbearbeitung

HDR Photos sind mit einigen hervorragenden Bildbearbeitungsprogrammen gut nachzubearbeiten. Dabei tritt unter den üblichen Verdächtigen natürlich auch das Lieblingsprogramm aller Fotografen, Adobe Lightroom, auf den Plan. Schauen wir uns mal ein paar der Softwareprogramme näher an.

GIMP

Das erste bekannte Programm zur Bearbeitung von HDR war GIMP. GIMP bedeutet GNU Image Manipulation Program und ist schon seit 1995 am Markt. Dabei handelt es sich um ein kostenloses pixelbasiertes Programm, mit dem du nicht nur Bilder nachbearbeiten sondern auch Rastergrafiken digital erstellen kannst. Es unterstützte von Anfang an Formate wie Gif, jpeg, png oder Tiff und bot viele Tools, um die Bilder optimal zu bearbeiten. Es hatte allerdings noch einige Kinderkrankheiten, stürzte häufig ab und war vor allem bei Linux-Anwendern beliebt. Doch heute läuft es auch unter Windows und macOS und ist derzeit in der aktuellen Version von Juni 2019 erhältlich.

CINE PAINT

CinePaint hieß zunächst Film Gimp ist quelloffen und löste GIMP ab. Oder vielmehr handelt es sich dabei um eine verbesserte Version von Gimp, die CinePaint für die Kinofilmproduktion nutzt. Der Vorteil bei diesem Programm ist die Erstellung ganzer Bilderserien auf einen Streich. Außerdem punktet das Programm durch seine besonderen Farbtiefen von 8, 16 und 32 Bit pro Farbkanal, was weit mehr ist, als auf einem gängigen Monitor darstellbar ist. Und gerade diese besondere Farbtiefe macht es nicht nur für die Filmwelt, sondern auch für Fotografen und ihre HDR Aufnahmen so interessant. Über ein Plugin ist es sogar möglich, Daten im RAW-Format zu bearbeiten.

ADOBE PHOTOSHOP LIGHTROOM

HDR Aufnahmen sind bei Lightroom ebenfalls in den besten Händen. Das Programm ist ohnehin des Fotografen Liebling und für viele unterschiedliche Anwendungen verwendbar. Dabei sind nicht nur unterschiedliche Fotoformate und Rohdaten leicht bearbeitbar, sondern das Programm hilft auch bei der Bildbearbeitung. Lightroom für HDR Aufnahmen ist für dich also im Normalfall auch die nächstliegende Wahl. Das Programm ist in den Versionen Lightroom 3.0 oder Lightroom Classic 9.2 für macOS und Windows erhältlich und auf dem Stand von Februar 2020.

Weitere Möglichkeiten

Daneben gibt es noch unzählige weitere kommerzielle und Freeware-Programme, die wir hier gar nicht alle aufzählen können. Unter den bekanntesten finden sich beispielsweise Photomatic, FDRTools Basic/FDRTools Advanced oder Luminance HDR.

HDR fotografieren: Anleitung in 5 Schritten

Die HDR-Fotografie ist sehr einfach durchzuführen. Für die speziellen Einstellungen sowie die Motive und Nachbearbeitung können wir dir keine fixe Vorschrift an die Hand geben. Denn dafür ist es ausschlaggebend, welche künstlerischen Aspekte du in deine Bilder einfließen lassen möchtest und welche Stimmungen du erzeugen willst. Ansonsten ist der Ablauf jedoch in wenigen Schritten immer derselbe:

Schritt 1: Equipment beschaffen

Am besten arbeitest du mit einer digitalen Spiegelreflexkamera und benutzt zusätzlich ein Stativ und einen Fernauslöser. Wenn du dich für dein iPhone entscheidest, achte darauf, dass du dir hilfreiche Apps herunterlädst, die dich bestmöglich bei den Aufnahmen unterstützen. Denk auch daran, dir eine gute Software für die Nachbearbeitung zu besorgen, wenn du dich nicht auf die automatische Arbeit der Kamera verlassen möchtest.

Schritt 2: Motiv suchen

Bei der Motivsuche bist du völlig frei. Wie wir eingangs schon erklärt haben, eignen sich allerdings bewegte Objekte nicht gut, da sie während der Serienaufnahme verwischen. Du kannst die Einzelbilder dann nicht verlustfrei und deckungsgleich übereinanderlegen, sondern bekommst verwischte und verwackelte Ergebnisse. Landschafts- und Portraitaufnahmen sowie architektonische Fotos sind für die ersten Versuche aber grundsätzlich ideal. Beliebt sind auch Stimmungsbilder wie Sonnenuntergänge.

Schritt 3: Equipment aufbauen

Wenn du dein Traummotiv gefunden hast, musst du nur noch dafür sorgen, dass du Kamera und Stativ verwacklungssicher aufbaust. Problematisch sind hierbei Kugelstative, die nicht ausreichend stabilisiert sind und Aufnahmen im Wald oder im Grünen. Alle weichen Böden, nicht nur Gras, sondern auch Sand (beispielsweise bei Aufnahmen in den Dünen am Meer) sind nicht optimal und du musst dein Stativ entsprechend besser fixieren als auf harten, glatten Böden.

Schritt 4: Einstellungen für die Aufnahme

Jetzt kann es im Prinzip schon losgehen. Du beginnst am besten mit einer möglichst geschlossenen Blende – außer, du hast rein künstlerisch etwas Bestimmtes vor und musst mit einer offenen Blende arbeiten. Achte darauf, das RAW-Format einzustellen. Auch den Weißabgleich und die Schärfe musst du manuell justieren. Anschließend kannst du dich von den unter- zu den überbelichteten Bildern vorarbeiten.

Robert macht es so: Er achtet auf eine Belichtungsreihe von -2,0,+2 (es ist auch möglich, mit Abständen von 3 LW zu arbeiten), fixiert die Kamera und fotografiert im Halbautomatikmodus. Er lässt die Einzelbilder nicht von der Kamera zusammensetzen, sondern überlässt dies einer HDR Software. Sein Tipp: Bitte unbedingt die gesamte Belichtungsreihe mit identischer Schärfentiefe aufnehmen!

Schritt 5: Bilder prüfen und bearbeiten

Anschließend überträgst du die Bilder von deiner Kamera auf den PC, wo du sie dir zunächst einzeln vornehmen kannst, um unbrauchbare Aufnahmen direkt zu löschen. Wenn zu viel schiefgegangen ist, musst du vielleicht das Shooting wiederholen.

Die verwendbaren guten Bilder kannst du jetzt in deiner Lieblingssoftware, meist Lightroom, nach deinen Wünschen nachbearbeiten. Hier kannst du die Einzelfotos übereinander legen, falls du das nicht von deiner Kamera erledigen lassen willst. Oder du kannst die Farben nachjustieren, um dem Bild einen künstlerischen Touch zu verleihen.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

Wie du siehst, ist HDR-Fotografie sehr einfach und führt zu fantastischen Bildern. Du musst relativ wenig beachten und kannst kreative und künstlerisch hochwertige Fotos erhalten. Damit wären wir nun eigentlich beinahe schon am Ende. Vorsichtshalber stellen wir dir zum Schluss aber noch ein paar Tipps zusammen, die du bei deinen Aufnahmen beachten solltest, damit nichts schief geht.

  1. Am besten nur mit Stativ und Fernauslöser fotografieren
    Hierzu müssen wir nicht mehr viel sagen. Ohne Stativ und Fernauslöser ist die Gefahr des Verwackelns viel zu groß. Daher ist es bei vielen Bildern, nicht nur bei HDR, wichtig, diese zum Einsatz zu bringen. Gerade bei Aufnahmen mit wenig Umgebungslicht, bei denen du längere Belichtungszeiten benötigst, ist es hilfreich, wenn du ein Stativ benutzt. Du könntest die Kamera ansonsten nicht lange genug stillhalten und hättest am Ende nicht die gewünschte Qualität.
  2. Automatische Einstellungen meiden.
    Achte darauf, keine automatischen Einstellungen zuzulassen. Das gilt nicht nur für den Autofokus, sondern auch für das integrierte HDR-Motivprogramm, welches für den automatischen Tone-Mapping-Prozess zuständig ist. Ein solches automatisch erzeugtes Bild kann nie die Qualität erreichen, die du mit einem professionellen Software-Programm erzielst. Daher: manuell einstellen, unbedingt RAW-Dateien verwenden und am Schluss über Lightroom zusammensetzen und mit Photoshop nachbearbeiten. Dann bist du auf der sicheren Seite!
  3. Warum RAW-Dateien?
    Vergiss nicht, dass du mit RAW-Dateien sehr viel mehr Details einfangen kannst, als bei Jpegs. Eine Kamera, die RAW-Dateien zulässt plus ein HDR-Programm (wie Aurora HDR oder Photomatix Pro) unterstützen dieses Format und holen das Beste aus deinem Bild heraus.
  4. Blende und Weißabgleich sind wichtig
    Auf diese beiden Einstellungen musst du besonders achten und vor allem beide manuell vornehmen. Denn die fixe Blende ist wichtig für die Tiefenschärfe und die muss bei allen Bildern dieselbe sein, sonst funktioniert später das Zusammensetzen nicht richtig. Dasselbe gilt für den Weißabgleich, der sich ebenfalls während der Bilderserie nicht ändern darf. Beim Weißabgleich wäre es eher zu verschmerzen, da du diesen später noch anpassen könntest, aber warum solltet du dir so viel Arbeit machen?
  5. Bildrauschen umgehen
    Wie du von anderen Bildern schon weißt, führen hohe ISO-Werte immer zu Bildrauschen. Damit möchtest du aber die tollen HDR-Bilder nicht verhunzen, daher solltest du einen möglichst kleinen ISO-Wert wählen. Vorhandenes Bildrauschen hätte den Nachteil, dass es sich später beim Tone-Mapping noch weiter verstärkt!
  6. Tone-Mapping mit Gefühl
    Beim Tone-Mapping solltest du nicht zu viel Gas geben, denn damit kannst du das Bild schnell verschlechtern, anstatt es zu verbessern. Falls gewünscht, ist das natürlich eine andere Sache. Denn in dem Fall kannst du die Stimmung auf den Fotos mittels Tone-Mapping auch unnatürlich machen und bis ins Surreale verändern. Nachfolgende Bearbeitungen (auch Post-Processing genannt), können noch weitere Verbesserungen bewirken. Dazu kannst du beispielsweise Photoshop CC oder GIMP einsetzen.
  7. HDR ist kein Muss!
    Ganz wichtig ist es allerdings, dass du nicht gewaltsam versuchst, ab jetzt aus jedem Bild ein HDR-Foto zu machen, nur weil du davon so begeistert bist. Denn nicht jedes Bild sieht als HDR automatisch besser aus. Vergiss nicht die schönen Schwarz-Weiß-, Vintage- oder Analogaufnahmen, die noch auf dich warten. Es gibt nicht nur farblich überlastete surreale Bilder oder stimmungsvolle Sonnenaufgänge!

FAZIT: Warum HDR-Fotografie?

Nachdem du die Vorteile und den Ablauf der HDR-Fotografie kennengelernt hast, stellt sich die Frage, warum du sie benutzen solltest, eigentlich nicht mehr. Dennoch haben wir dir an dieser Stelle nochmals die 4 besten Gründen dafür zusammengefasst. Genaugenommen sind es die Gründe, aus denen Olaf die HDR-Fotografie so liebt:

  • HDR macht Spaß
    An erster Stelle steht natürlich der Spaßfaktor. Warum sonst solltest du denn solche tollen farb- und detailreichen Fotos schießen, wenn nicht deshalb, weil es einfach Spaß macht, das Beste aus deinen Motiven herauszuholen?!
  • HDR ist kinderleicht
    Der nächste Grund ist daran quasi unmittelbar gekoppelt. Denn, auch wenn es Spaß macht, könnte es ja sehr umständlich oder anstrengend sein. Ist es aber nicht. HDR-Aufnahmen sind wirklich einfach umsetzbar. Da die Kamera das meiste von alleine macht (die Belichtungsreihe plus das Zusammensetzen des Bildes), kannst du sogar als Anfänger mit einer entsprechenden Kamera ganz leicht erste Erfahrungen sammeln.
  • HDR weckt den Künstler in dir
    Es ist leicht und es macht Spaß – nun, soweit kann auch deine Handykamera mithalten, wäre da nicht Grund Nummer 3: die unglaublich kreativen und inspirierenden Möglichkeiten, die HDR dir  bietet! Du kannst aus den Bildern einen Farb- und Detailreichtum herausholen, der seinesgleichen sucht. Dabei kannst du dich künstlerisch austoben mit vielen Effekten wie Doppelbelichtungen oder verschiedenen Texturen und noch vielem anderen mehr. Der Künstler in dir wird HDR lieben!
  • HDR zaubert berührende Stimmungen
    Auch wenn du kein Freund von experimentellen Künstlerfotos bist, kannst du mit HDR auch sehr berührende Stimmungen zaubern. Ausdrucksstarke Sonnenaufgänge oder melancholische Abendstimmungen, vielleicht auch eine Großstadt-Tristesse oder eine gruselige Aufnahme alter Häuser oder anderer Lost Places könnten es dir angetan haben.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*